Malatya und die Folgen

Unter den Christen in Deutschland ist bekannt, dass überall in der Welt Menschen des Glaubens wegen benachteiligt, verfolgt und oft vom Tode bedroht sind. Malatya, wo dieser Tage in einem Bibel- Verlag Menschen die Kehle durchgeschnitten worden ist, ist leider keine Ausnahme. Die Stadt gilt als Hochburg der Nationalisten. Aus Malatya stammte auch Mehmet Ali Agca, der 1981 das Attentat auf Papst Johannes Paul II. verübte.

Der Überfall war der bislang letzte Angriff auf die christliche Minderheit in der Türkei. Im Februar vergangenen Jahres wurde ein katholischer Priester in der Stadt Trabzon am Schwarzen Meer von einem Jugendlichen erschossen. Im gleichen Jahr wurden zwei weitere Priester überfallen.

Leider ist es in der Türkei- wie in anderen muslimisch geprägten Ländern auch- verboten, öffentlich für den christlichen Glauben zu werben.

Kern des christlichen Glaubens ist aber die Frohe Botschaft der Erlösung ( Sündenvergebung) durch Jesus Christus. Diese Botschaft zu verkündigen ist erste Pflicht des Christen.

Schon zu biblischer Zeit wurde Christen deswegen hart zugesetzt. Die Geschichten wie alles begann finden wir in den vier Evangelien und in der Apostelgeschichte.

Theoretisch über Verkündigung zu schreiben und auch darüber zu diskutieren ist anders, als irgendwo auf dem Marktplatz einen Infostand zu betreiben und sich zu diesem Glauben zu bekennen. Bei uns ist das religiöse Bekenntnis verfassungsrechtlich geschütztes Gut. In der Türkei ist der Missionsdienst verboten. Gleiches gilt in vielen Teilen der Welt. Ob islamisch oder kommunistisch geprägt: Den Auftrag unseres Herrn Jesus durchzuführen ist nicht immer so einfach wie bei uns.

Schwierig- ja gefährlich ist es aber, wenn man immer mit körperlicher Bedrohung leben muß, jemand könnte das Messer ziehen, oder eine Bombe zünden und mich töten.

Mancherorts werden Menschen, wenn sie sich zum christlichen Glauben bekehren, zu Freiwild und wortwörtlich gesteinigt oder sonstwie grausam zu Tode gebracht. Wir bekommen das hier gar nicht so mit und nutzen so unseren Vorteil nicht. Aber wir schämen uns, weil wir Christen sind. Wer betet denn im Lokal vor der Einnahme der servierten Speisen und dankt dem Herrn für das Essen. Wer von den Arbeitskollegen weis überhaupt, dass ich Christ bin?

Hut ab vor solchen Menschen wie in Malatya oder Anderswo, die sich für ihren Glauben die Kehle duchschneiden lassen. Wie ein Fels in der Brandung- im Sturm geben sie nicht auf. Die Verkündigung der Frohen Botschaft ist ihnen wichtiger als ihr eigenes Leben.

Was machen wir währenddessen? Ist es uns noch ein Bedürfnis, anderen Menschen das Evangelium zu verkündigen? Oder knicken wir an der nächsten Ecke ein?

Nun möchte ich aber noch einen weiteren Gedanken anfügen, der mir auch wichtig ist. Nach dem Massaker ging ein Aufschrei der Empörung durch unser Land: Mit «Entsetzen» hat Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) auf den Überfall auf ein christliches Verlagshaus im Südosten der Türkei reagiert. «Ich verurteile diese furchtbare Tat auf das Schärfste», erklärte er am Mittwoch am Rande seines Besuchs in Panama. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) reagierte bestürzt auf den Überfall in der Türkei. Die Nachricht von der Ermordung der Verlagsmitarbeiter- unter ihnen war auch ein Deutscher, erschüttere ihn, sagte EKD-Chef Wolfgang Huber am Mittwoch in Hannover. Anlass des grauenhaften Geschehens sei, dass der Verlag in der Osttürkei Bibeln verteile. Die Bibel bezeuge das Wort des Lebens. Dieses Wort anderen anzubieten dürfe niemals Grund dafür sein, Menschen an Leib und Leben zu bedrohen.

Auch die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth betonte: «Der Mordanschlag in einem christlichen Verlagshaus in Malatya erfüllt uns mit Abscheu und Empörung.»

Diese «Abscheu» und dieses «Entsetzen» dürfen aber nicht in Hass und Vergeltung münden, sondern wir sollen als Christen die "andere Wange" hinhalten (Matthäus 5, 38- 48) und uns auf den Lohn der nächsten Welt freuen. Jesus Christus hat auch am Kreuz für seine Mörder gebetet: «Vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun!» (Lukas 23,10)

Wenn jetzt Vergeltung gefordert würde, dann würde eine Gewaltspirale ohne Ende in Gang gebracht, die am Ende viel Leid über viele Menschen brächte. Dabei ist egal, welchen Glauben die dann zu beklagenden Opfer hätten.

Im Gegenteil: Sicher gibt es überall Menschen mit Friedenswillen. Wir müssen alle Möglichkeiten nutzen, damit Menschen aller Kulturen nebeneinander und miteinander auskommen können. Wenn wir nicht lernen, unsere Konflikte mit friedlichen Mitteln zu lösen, dann hat die Menschheit keine Zukunft.

Daran müssen wir arbeiten. «»

 

22.4.07 18:27

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